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Parademokratie statt sakramentale Vollmacht

Aktualisiert: 1. Nov. 2023

"Weder Papst noch Synoden besitzen die Vollmacht, die sakramentalen Baugesetze der Kirche zu verändern. That's it!"



Ein Kommentar zum Abschlussdokument der Synode 2023


Schon im ersten Satz fällt die Betonung der Taufe auf als Grundlage für die egalitäre Synodalität und Mitbestimmung derjenigen, die bisher nicht mitbestimmen konnten, weil sie keine Bischöfe sind. Durch das Dokument zieht sich viel Weihrauch für das Ereignis selbst, das als Gespräch im Geist – aber wer kann sagen, in welchem? – den Teilnehmern in dankbarer Erinnerung bleibt, wie sie selbst sagen.Falsch erscheint mir die Berufung auf die Tradition für diese Synode und auf das Konzil, dessen Texte über die hierarchische Verfassung des Volkes Gottes und den Wesensunterschied zwischen allgemeinem und besonderem Priestertum in der neuen Synodalität weder beachtet noch umgesetzt, sondern verwässert werden. Die Synode sollte nach ihrer eigenen Behauptung alle Getauften einbeziehen, aber weder die kaum 1 Prozent der Teilnehmenden am weltweiten synodalen Prozess und noch weniger die in Rom Versammelten können wirkliche Repräsentativität des gesamten Volkes Gottes und des Weltepiskopates beanspruchen. Trotzdem konnten die heissen Themen (neu?) identifiziert werden, die schon seit 50 Jahren hinlänglich bekannt sind.Ich bin erstaunt über den angeblichen Erkenntnisgewinn. Jeder, der mit den Mechanismen solcher Versammlungen und Meinungsbildungsprozesse vertraut ist, weiss, dass am Ende nicht die Diskussionen, sondern die Redaktionen im Backoffice für das Schlussplädoyer bzw. -dokument den Ausschlag geben, weshalb man genau hinschaut, mit wem (Moderatoren, Relatoren, Redaktoren, Experten) diese Teams besetzt sind. Sie erarbeiten einen finalen Text, der unter grossem Zeitdruck dann in der Schlussversammlung durchgepaukt wird mit Zweidrittelvoten, da Verbesserungen und Korrekturen ohnehin nicht mehr möglich und realistisch sind.Statt des seitenschweren Overkills an Synodenlyrik würde es genügen, zehn Thesen nach offenen Debatten im Plenum, die für alle nach innen und aussen transparent geführt werden, zur Abstimmung zu bringen und das Ergebnis dem Papst als Empfehlung zu präsentieren. Stattdessen hatten wir Informationsembargo und runde Tische, die voneinander wenig mitbekommen, weil sie sich nur ihrem eigenen Thema widmen durften. So kennen nur wenige die wahren Verhältnisse. Umso mehr Mutmassungen gibt es und vielleicht ein paar Indiskretionen. Damit müssen wir Exkludierten zufrieden sein. Ein Detail am Rande: Sogar diese Circuli minores an runden Tischen werden uns als Abbild des eschatologischen Hochzeitsmahles präsentiert, um der manipulativen Methodologie der neuen Synodalität eine höhere Weihe und die Salbung der Heiligen Schrift zu verleihen. Wie lieblich!

Beim Namen genannt wird auch die Befürchtung vieler Gläubigen, dass die Lehre der Kirche verändert – und die apostolische Tradition verlassen wird. Tatsächlich kann man schon jetzt sehen, wie begründet die Befürchtung ist und sich bewahrheiten könnte. Das egalitäre Mitbestimmungsrecht der Laien auf einer Bischofssynode ist jedenfalls bereits der erste Schritt mit Vorbildcharakter dazu und keineswegs harmlos. Dass Kardinal Schönborn damit keine Probleme hat (Bischofssynode mit nur erweiterter Partizipation), verwundert nicht, bleibt aber substanzlos und opportunistisch. Auch die von den Redaktoren angesprochene weitere Befürchtung der Synodenskeptiker, dass Mehrheitsentscheidungen den kirchlichen und geistlichen Charakter der Leitung der Kirche durch die Bischöfe und Priester verändern und ihre hierarchische Struktur infrage stellen werden, könnte sich als eine sich selbst erfüllende Prophezeiung der synodalen Aktivisten herausstellen. Das übliche Framing, dass bei den Bedenkenträgern vor allem Ängste aufkommen, Macht zu verlieren, ist Vulgärpsychologie der synodalen Redaktoren und keine Theologie wie auf der Seite der Ersteren. Denn für sie geht es um die Sakramentalität des kirchlichen Amtes, die von Christus selbst begründet wurde, nicht um Macht und Machtkontrolle, auch nicht um Ängste, sie zu verlieren.

Mit viel Aufwand wird durch das Paradigma der neuen Synodalität eine neue Gestalt der Kirche propagiert, ja geradezu dekretiert, als hätte die Kirche eine Generalüberholung nötig, die sie von ihrer bisherigen Sündhaftigkeit befreit und als ein mit der Welt versöhntes, gemeinsamen Haus generalsaniert. In ihm sollen auch alle jene behaglich wohnen, die sich bis jetzt durch ihre Lehre und Moral ausgeschlossen und verletzt fühlten. Unter diese Sanierung gehören dann auch Begriffe wie Sünder, Häretiker, Schismatiker, Sodomisten, Ehebrecher u. a., die gemäss dem neuen Glaubenspräfekten besser nicht mehr gebraucht werden sollen, weil sie nur verletzen. Wer kennt das Sprichwort: «Wahrheit tut weh?» Nur die «Missbrauchstäter» werden weiterhin beim Namen genannt.

Die neue Synodalität versteht sich als eine Art Heilungsprozess für die Ausgeschlossenen und bislang nicht Inkludierten, weil die alte Kirche Ross und Reiter benannte, den Sünder liebte, die Sünde klar und unmissverständlich verurteilte. Das gleiche gilt für den Irrtum. So meint man, neues Vertrauen wiedergewinnen und Glaubwürdigkeit wiederherstellen zu können – eine Illusion.

In der Tat erscheint der Begriff der Synodalität – eine weitere im Abschlussdokument genannte Befürchtung – vage und eine Modeerscheinung. Die ausstehende Harmonisierung der angestrebten Neuerungen für die Leitung der Kirche mit dem geltenden Kirchenrecht steht jedenfalls, wie festgehalten wird, noch aus. Wie Bischof Overbeck unumwunden gesteht, wird sie nicht gelingen, ohne dass man mit der Tradition bricht. Er scheint dazu bereit zu sein. Die Beteuerungen der Synodenväter und -mütter, daran nicht zu rühren, erscheinen daneben wie Nebelkerzen. Ob die Synode 2024 so weit gehen wird, bleibt abzuwarten. In diesem Kontext lesen wir im Abschlussbericht: «Es müssen Wege für eine aktivere Beteiligung von Diakonen, Presbytern und Bischöfen am synodalen Prozess im kommenden Jahr entwickelt werden. Eine synodale Kirche kann nicht ohne ihre Stimmen, ihre Erfahrungen und ihren Beitrag auskommen. Wir müssen die Gründe für den Widerstand einiger von ihnen gegen die Synodalität verstehen». Wie richtig und gut geschrieben!

Die Gründe allerdings sind denkbar einfach, schnell genannt und deren zwei:1. Die neue Synodalität unterminiert die sakramentale Struktur der Kirche, das Bischofs- und das Priesteramt und nimmt ihnen ihr sakramentales Proprium bzw. hindert sie an der Ausübung desselben, nämlich ihrer Vollmachten zu leiten, zu lehren und zu heiligen – ohne durch Mehrheitsentscheide gebunden (wohl aber je nachdem gut beraten) zu sein.

2. Was bis jetzt von der Kirche als wahr und verbindlich verkündet worden war (z. B. in Bezug auf Sakramentalität der Kirche, Bischofsamt, Priesteramt, Unauflöslichkeit der Ehe und Wiederverheiratung, Homosexualität und homosexuelle Partnerschaft, Frauenpriestertum und Frauendiakonat, Mitbestimmung usw.) bleibt es auch in Zukunft und kann durch Gruppenprozesse, Neusprech und Doublespeech nicht überholt werden. Weder Papst noch Synoden besitzen die Vollmacht, die sakramentalen Baugesetze der Kirche zu verändern. That´s it!

Noch ein Letztes: Die Kirche wird nicht erst heute durch den Heiligen Geist geführt, sondern wurde es schon immer. Sie hat aber immer die Geister geprüft, ob sie aus Gott sind. Ob die Gespräche mit dem Geist im synodalen Prozess tatsächlich im Heiligen Geist geführt wurden, wird sich historisch erweisen. Diejenigen, die sich am siche


rsten waren, dass ihre Ansichten und Reformen vom Heiligen Geist stammten, waren in auffallender Weise – historisch gesehen – Häretiker, Sektierer und Schismatiker – nicht Heilige. Je mehr man es betont, im Geist zu sein, umso verdächtiger wird man. Wir tun es nicht, hoffen es nur und beten darum.





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