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Die Pseudomessianität des Sentimentalen

vor 22 Stunden
3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 6 Minuten

Es geht nur noch um Nähe, nicht um Wahrheit!



Während die Seelsorge vor Amoris Laetitia im Umgang mit geschiedenen Wiederverheirateten vor allem Objektivität bzw. die Verbindung von Wahrheit und Liebe anstrebte, operiert die synodale Kirche mit einem vorwiegend sentimentalen Vokabular, das wenig beiträgt, die Situation dieser Menschen nach sakramentstheologischen und kanonisch gerechten Kriterien objektiv zu klären. Betont wird ausschliesslich die Nähe, die Begleitung, die Wertschätzung (ein inflationär gebrauchtes Wort) dieser Paare durch die Vertreter der Kirche, nicht ihr Auftrag, sie in der Wahrheit zu führen. Frage: Was soll ich am Sünder eigentlich wertschätzen, z.B. am Bankräuber, Ehebrecher, Dieb, Gewalttäter? Ich kann den Sünder lieben (ihm wohlwollen, d.h. ihm das Heil wünschen), ja, während ich seine Sünde gleichzeitig kompromisslos verurteile. Aber wie geht in diesem Zusammenhang «Wertschätzung»? Muss ich einen Richter, der eine Straftat zu beurteilen hat, auffordern, den Delinquenten wertzuschätzen? Wäre das nicht reine, in Bezug auf die Aufgabe wenig hilfreiche Sentimentalität? Der Vergleich hinkt, zeigt aber, dass diese Kategorie der Wertschätzung in bestimmten Kontexten einfach nicht prioritär ist. Denn darum (Wertschätzung) geht es bei der Frage nicht, ob eine gültige Ehe vorliegt oder nicht. Geschieden wiederverheiratete Paare sollen ihr Vertrauen wiederfinden, sich als Teil der Gemeinschaft zu erkennen und die Barmherzigkeit Gottes erfahren, heisst es in einem Leitfaden[1] der synodalen Kirche. Frage: Ist es dabei unerheblich, ob sie im Ehebruch leben oder nicht? Bedeutet, ihnen die Barmherzigkeit Gottes zu vermitteln, ihre zweite Verbindung ohne Wenn und Aber anzuerkennen oder mindestens zu tolerieren, obwohl ein unauflösliches Eheband vorliegt und dem entgegensteht? Warum ist uns dann Jesus mit dieser Praxis nicht vorangegangen? Vielmehr lehnt Er die (angeblich barmherzige) Scheidungspraxis des Moses ab und verschärft das Scheidungsverbot zum Verdruss seiner Jünger! Kommt die Erinnerung daran einer Retraumatisierung dieser Paare gleich, weil die Betroffenen sich durch die Erinnerung an die Wahrheit erneut verletzt und ausgegrenzt fühlen könnten, nachdem sie schon Verlassenheit und Leid in der Trennung von ihrem rechtmässigen Ehegatten erfahren haben (vgl. den erwähnten Leitfaden)?

 

Je sentimentaler die Sprache daherkommt, umso grösser wird der Verdacht, dass hier unverrückbare Lehrpositionen mit dem Druck auf die Tränendrüse vaporisiert und aufgeweicht werden sollen. Nun ist dies nicht neu. Das Wort «Barmherzigkeit» ist schon oft als Sandschleuder für die Augen des Betrachters oder Lesers missbraucht worden. Worte haben ihre unmittelbare Wirkung. Erst, wenn man tiefer geht, erkennt man, was die Semantik verschleiert. Die Härte der Wahrheit wird in der synodalen Kirche nicht mehr ertragen und thematisiert, obwohl sie frei macht (Joh 8,32). Sie wird von der Sentimentalität abgelehnt und inkriminiert. Familiaris Consortio ist deshalb gestern (zu hart). Amoris Laetitia ist heute (barmherzig).

 

Das Lehramt der synodalen Kirche beginnt mit Franziskus, mit der neuen Stunde Null. Die Zeit (der Prozess) ist grösser als der Raum (die Lehrpositionen). Deshalb investiert man in den Prozess (die Revision der Lehre), ins Gefühl, ins Leben, nicht in die Wahrheit, die trotzdem bleibt. Letztere ist wie ein Schwert, das die synodale Kirche lieber in Watte packt und wegsteckt, bis Jener kommt, der es im Munde führt (Offb 1,16; 2.12; 2.16; 19.15; 19.21).  

 

Offenbarung 1,16 – In der ersten Vision Christi:

„Aus seinem Mund kam ein scharfes, zweischneidiges Schwert.“

 

Offenbarung 2,12 – In der Botschaft an die Gemeinde von Pergamon:

„So spricht Er, der das scharfe, zweischneidige Schwert trägt.“

 

Offenbarung 2,16 – Christus kündigt an:

„Sonst komme ich bald und werde sie mit dem Schwert aus meinem Mund bekämpfen.“

 

Offenbarung 19,15 – Christus als endzeitlicher Reiter:

„Aus seinem Mund kam ein scharfes Schwert; mit ihm wird er die Völker schlagen.“

 

Offenbarung 19,21 – Abschluss der Kampfszene:

„Die Übrigen wurden getötet mit dem Schwert, das aus dem Mund des Reiters hervorging.“

 


[1] Zit. In: Roberto de Mattei, Die höchste Bestimmung des Menschen (Art.):  https://katholisches.info/die-hoechste-bestimmung-des-menschen/. Thematischer Leitfaden zur Vorbereitung des Treffens von Papst Leo XIV. mit den Vertretern der katholischen Ortkirchen im Vatikan vom 7.-14. Okt. 2026 mit dem Titel: «In den Schwierigkeiten des Lebens: begleiten und unterstützen. Mit den Familien in schwierigen Situationen unterwegs sein.»

 
 
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